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Nevada

Archiv für Oktober 2011

PostHeaderIcon OGS Prison-Tour 2011

Einmal mehr  heißt es “back to the roots”! Die Old Guitar Strings (diesmal als men in black) greifen in ihrem Song- & Showprogramm den Begriff „wildwest“ in besonderer Form auf und  widmen sich musikalisch Johnny Cash. Die Band wird ab Oktober 2011 eine Benefiztour durch diverse Justizvollzugsanstalten initiieren um dort die unvergessenen Songs eines der einflussreichsten US-amerikanischen Country-Sänger zu präsentieren. Erste Station wird die JVA Frankfurt-Preungesheim sein. Im November gastieren wir in der JVA Gießen, Darmstadt, Friedberg und Dieburg. Weitere Konzerte sind in Planung.

PostHeaderIcon OGS in der JVA-Preungesheim

Eine Band geht in den Knast

Wie damals Johnny Cash spielen die Old Guitar Strings in Gefängnissen. Noch heute ist der Auftritt legendär: Johnny Cash spielt 1969 live im Folsom State Prison in Kalifornien. In Gedenken an seine Musik touren die Old Guitar Strings durch hessische Gefängnisse. Der Auftakt war jetzt in Preungesheim.

Viel Ausrüstung haben die vier Musiker nicht dabei. Zwei Gitarren, Bassgitarre, Schlagzeug. Den kleinen Verstärker für das Mikrofon von Sänger Dieter Krewer kann man leicht unter den Arm klemmen. Sie nennen sich die “Old Guitar Strings” zu Deutsch die “alten Gitarren-Saiten” und spielen im Gefängnis. Wie ihr großes Vorbild Johnny Cash, sein Auftritt 1969 im “Folsom State Prison” ist legendär. In Preungesheim beginnen sie ihre Tour durch mehrere hessische Haftanstalten.

In der Sicherheitsschleuse am Eingang werden die Autos der Band gründlich durchsucht: Die Gitarrenkoffer, die Verstärker, die Trommeln von Schlagzeuger Willi Schwerthöfer. “Noch wichtiger ist die Überprüfung, wenn sie nachher wieder herausfahren”, erklärt der Justizbeamte Peter Vogt. Um zu verhindern, dass sich Häftlinge im Kofferraum hinausschleichen. Überraschend unaufgeregt seien die Sicherheitsmaßnahmen, findet Bassist Wolfgang Ettig und zuckt mit den Schultern. “Es ist so ruhig hier”, meint er auf dem kurzen Weg vom martialisch wirkenden Eingang mit seinen hohen Mauern zu dem niedrigen, einstöckigen “Saalbau”. Dort spielen sie heute, in der Kantine des geschlossenen Vollzugs der Justizvollzugsanstalt Frankfurt IV. Ein kleiner Raum, sechs mal zehn Meter groß, mit Stuhlreihen für die Zuhörer. Die werden erst kurz vor Konzertbeginn hierher geleitet.

Nur zehn Minuten dauert der Aufbau. Ein kurzer Soundcheck, die Akustik muss ja stimmen. “Burn, burn, burn, in a Ring of Fire”, singt Dieter Krewer ins Mikrofon. Es klingt fast wie das Original, geschmeichelt schaut Krewer zu Boden und scherzt: “Mit dem Unterschied, dass Cash singen konnte.” Doch Tontechniker Frank Schiller findet: “Meist sagt unser Publikum, dass wir den Geist von Johnny Cashs Musik gut rüber bringen”. Schnell noch die Liste mit der Abfolge der Stücke auf den Boden geklebt, dann kann es losgehen. Ein paar der 20 Stücke auf der Liste werden sie streichen müssen, sie haben nur eine Stunde Zeit.

Auf die Idee mit der Gefängnis-Tour kamen sie, weil Johnny Cash in den Oldie-Clubs immer gut ankomme, erzählt Wolfgang Ettig. Da Johnny Cash selbst zweimal, in den benachbarten kalifornischen Haftanstalt Folsom State Prison und San Quentin, in Gefängnissen auftrat, wollten sie es ihm gleich tun. “Wir sind gespannt, ob die meist jungen Häftlingen unsere Musik mögen.”

Dann kommen die Häftlinge. Nur knapp 20 sind es, mehr wollten nicht kommen. Echte Country-Fans also? “Klar, ich liebe Johnny Cash”, sagt ein junger Mann. Wie, er ist kein Hip-Hop-Fan? “Nee! Sobald ich hier raus komme, lasse ich mir Johny Cash auf den Oberarm tätowieren. Er ist mein Idol.” Sein Nachbar verrät: “Der hat sogar eine Johny Cash CD in seiner Zelle.” Er selbst höre am liebsten HipHop, verrät der Nebenmann, aber auch Blues, Soul. “Johnny Cash ist auch klasse.” Der Endzwanziger ein paar Plätze weiter spielt selbst Gitarre, kennt Johnny Cash gar nicht. “Ich bin einfach froh, mal ein bisschen Livemusik zu hören.” Mit jedem Stück steigt die Begeisterung im kleinen Publikum. “Die in der ersten Reihe waren besonders klasse. Sie kannten die Texte, singen die ganze Zeit mit”, freut sich Dieter Krewer. Vor dem letzten Stück, dem Instrumentalstück “Wipe Out”, bedankt sich Krewer, “ihr seid ein tolles Publikum”. Er erklärt, warum dies ihr letztes Stück ist: “Irgendwann, wenn die Haft hinter Euch liegt, dann seht nach vorne. Wischt die Vergangenheit weg, denn das bedeutet ‘Wipe out‘, und fangt neu an”, fordert er die meist jungen Männer auf. Ihr Publikum dankt es den Old Guitar Strings mit besonders kräftigem Applaus. “Das gibt uns Mut für den Rest unserer Tournee. Wir kommen bestimmt wieder hierher”, verspricht Krewer.

(Text: hau/ Foto: Rüffer) Frankfurter Neue Presse vom 27.10.2011