Archiv für 18. Dezember 2011
Resümee OGS-Prison-Tour 2011
Ja, nun haben wir unsere „Men in Black – Prison Tour 2011“ durch fünf hessische Justiz-Vollzugsanstalten hinter uns. Zeit, etwas zu resümieren: …unsere Erwartungen, …unsere Erkenntnisse.
Vor dem ersten Auftritt in der JVA Preungesheim waren wir selbstverständlich etwas nervös. Keiner von uns hatte je ein Gefängnis von innen gesehen, keiner kannte bis dahin irgendeinen, der bereits einmal einige Zeit hinter Gittern verbracht hatte. Wegen der engen Zeitfenster zogen wir mit „kleinem Besteck“ los, also mit einer recht kleinen, aber leistungsstarken Gesangsanlage und kleinen Combo-Verstärkern für die Instrumente. Ein Mikrofon für unseren Sänger und Moderator Dieter musste genügen. Da in der Regel die Zuhörerzahl bei Veranstaltungen in den JVA´s die 50 nicht überschritt, reichte die Ausrüstung aus, ja - man konnte sagen – sie war für die Größe der Räume und die Anzahl des Publikums angemessen.
Der Konzertablauf ähnelte sich:
Aufbau, …Soundcheck, dann wurden die Gefangenen gruppenweise herein geführt. Erstaunlich, uns saßen – von der meist einheitlichen Anstandskleidung einmal abgesehen - ganz normale Menschen „wie Du und ich“ gegenüber.
Musikalisches Intro, …Begrüßung, …Vorstellung der Band und dann in der Moderation auf die Zuhörer eingehen, sie gezielt ansprechen, Informationen zum Programm und den Songs einstreuen und natürlich die Musik “rüberbringen”.
Der jeweils begeistert einsetzende Beifall machte uns klar, wir hatten deren Nerv getroffen. Die Old-Guitar-Strings spielten zwar kostenlos aber keinesfalls „umsonst“.
Im Vorfeld hatte sich die RMD-Rhein-Main-Deponie GmbH durch ihren Geschäftsführer, Markus Töpfer, bereit erklärt, über die zuständige Handwerkskammer das Berufsbild „Recyclingtechniker für Elektrogeräte“ zu entwickeln und entlassene Strafgefangene gezielt zu schulen. Nach der Ausbildung in Einrichtungen der RMD würden die so ausgebildeten Techniker weiter an kommunale Recyclingeinrichtungen vermittelt. Das bedeutet, dass entlassene Strafgefangene nicht gleich wieder in den Kreislauf von erfolglosen Bewerbungen bis zu den Rückfällen in alte Gewohnheiten abgleiten, sondern eine echte Perspektive haben. Dieses Vorhaben wurde von den betroffenen Strafgefangenen mit großem Interesse aufgenommen, und dementsprechend wurden hierzu unzählige Fragen gestellt.
Preungesheim, Dieburg, Darmstadt, Gießen und Friedberg. Die Old-Guitar-Strings und ihr Johnny Cash-Programm wurden überall wie gute Freunde aufgenommen, die Resonanz, der Beifall und die Gespräche mit den Strafgefangenen, …es war für uns eine schöne und wichtige Erfahrung!
…Johnny Cash hat einmal gesagt, es gäbe kein besseres Publikum, als Strafgefangene. Das können wir nur bestätigen.
